Die hellsten Sterne

Welche Fixsterne am Himmel am stärksten leuchten

09.01.2008 Sandor Rendel

Gelbe Zwerge und Rote Riesen: Besonders hell leuchtende Sterne bieten Orientierung am Nachthimmel.

Bei klarem Himmel und tiefer Dunkelheit können Menschen mehrere Tausend Sterne mit bloßem Auge erkennen. Die meisten sind namenlos, ihr Licht ist vergleichsweise schwach. Es gibt jedoch einige Fixsterne, die so prächtig leuchten, dass sie seit altersher bekannt sind und die Orientierung am Himmel erleichtern. Dabei ist die Leuchtkraft der Fixsterne am Himmel stets relativ - sie hängt maßgeblich davon ab, wie weit ein Stern entfernt ist.

Liegt er relativ nahe, so erscheint er natürlich heller als weiter entfernte Himmelskörper. Eine Aussage, wie groß die Leuchtkraft eines Sterns tatsächlich ist, lässt sich daraus also nicht ableiten. Daher spricht man in diesem Zusammenhang auch von scheinbarer Helligkeit. Hier die 10 hellsten Fixsterne am Erdenhimmel.

Platz 1: Die Sonne

Im kosmischen Maßstab ist unsere große, warme, gelbe Sonne eigentlich ein Witz. Mit viel Wohlwollen könnte man sie ins Mittelfeld der Sterne einordnen. Weder ihr Durchmesser noch ihre Leuchtkraft sind sonderlich erwähnenswert, sie ist ein Gelber Zwerg mit etwa 6.000 Grad Kelvin an der Oberfläche. Freilich könnte dieser Sterntypus die besten Bedingungen für das Entstehen von Leben bieten ... Aber wie dem auch sei: Natürlich ist die Sonne der hellste aller Sterne am Himmel (wenn auch nachts meist nicht zu erkennen).

Platz 2: Sirius

Sirius ist der hellste "fremde" Fixstern an unserem Himmel. Kein anderes Objekt außerhalb unseres Sonnensystems leuchtet so stark, nur vom Mond und einigen Planeten wird er übertroffen. Bei guter Sicht, in den Bergen und wenn sich die Sonne nahe am Horizont befindet, kann man Sirius manchmal sogar am Tag entdecken!

Seit Jahrtausenden dient er den Menschen als Orientierungspunkt, schon die alten Ägypter beobachteten den hellsten aller Sterne ausgiebig. Sirius ist etwas größer als die Sonne, sein Durchmesser entspricht dem 1,8-fachen. Da er jedoch zu einer anderen Spektralklasse gehört - sein Licht ist weiß, nicht gelb - erreicht er die 22-fache Leuchtkraft. Zusammen mit der geringen Entfernung von knapp neun Lichtjahren führt dies dazu, dass wir Sirius als strahlend-weißen Punkt am Himmel wahrnehmen. Wobei hier ausdrücklich die Rede von Sirius A ist, denn Sirius ist ein Doppelstern. Der kleinere Begleiter Sirius B umkreist den Hauptstern in knapp 50 Jahren. Er ist wesentlich kleiner, kaum größer als die Erde - ein Weißer Zwerg - und nur mit guten Fernrohren auszumachen.

Sirius im Sternbild Großer Hund ist leicht zu finden: Er strahlt links unter dem markanten Oriongürtel.

Platz 3: Canopus

Der zweithellste Stern am irdischen Nachthimmel befindet sich sehr weit südlich und ist deshalb von Mitteleuropa aus nicht zu sehen. Wer sich auf Malta oder Kreta befindet, kann den „Großen Stern des Südens“ jedoch im Sternbild Schiffskiel entdecken. Aufgrund seiner Position nahe des südlichen Himmels-Pols spielte Canopus lange Zeit eine wichtige Rolle in der Seenavigation. In absoluten Zahlen ist Canopus ein ganz anderes Kaliber als die Sonne oder Sirius: Er leuchtet etwa 7.000-Mal so hell wie unsere Sonne! Da seine Entfernung jedoch 313 Lichtjahre beträgt, reicht es „nur“ zu Platz drei.

Platz 4: Rigil Kentaurus

Oder Toliman. Oder Alpha Centauri. Ein Bruder der Sonne. Mit 40 Prozent mehr Leuchkraft als unser Stern ebenfalls ein Winzling. Dass Rigil Kentaurus dennoch so hell leuchtet, liegt an seiner Nähe: Mit nur 4,35 Lichtjahren Entfernung ist er der nächste Fixstern. Und er hat gleich zwei Begleiter: Einen Zwergstern von 0,4-facher Sonnenleuchtkraft, der ihn in etwa 80 Jahren einmal umkreist, sowie den wirklichen Winzling Proxima Centauri – dieser erreicht nur acht Hunderttausendstel der Sonnenleuchtkraft.

Platz 5: Arctur

Gelegentlich wird Arctur auch vor Rigil Kentaurus gesetzt, denn Arcturs Helligkeit schwankt. Dieser Stern ist jener Rote Riese, der uns am nächsten liegt: Ganze 37 Lichtjahre ist er vom Sonnensystem entfernt. Das führt dazu, dass der orange-strahlende Arctur im Bärenhüter trotz seiner mittelmäßigen Leuchtkraft („nur“ das 95-fache der Sonne) zu den hellsten Sternen an unserem Himmel gehört.

Platz 6: Wega

Der altarabische Bezeichnung bedeutet „Der herabstürzende Adler“. Wega ist das hellste Objekt im Sternbild Leier, und eigentlich kein besonders großer Stern. Mit dem vierfachen Sonnendurchmesser und einer enorm hohen Oberflächentemperatur von etwa 12.000 Grad Kelvin leuchtet Wega lediglich 45-mal so hell wie die Sonne. Die geringe Entfernung – 25 Lichtjahre – macht sie dennoch zu einem der hellsten Sterne.

Platz 7: Capella

Dieser Stern im Fuhrmann, der auch den altarabischen Namen Alhajot (Ziege) trägt, liegt moderate 42 Lichtjahre entfernt. Es handelt sich um ein ausgewogenes Doppelsystem: Ein Stern weist 2,8 Sonnenmassen auf, der andere 2,5. Beide umkreisen den gemeinsamen Schwerpunkt auf nahezu idealen Kreisbahnen in jeweils 104 Tagen. Der Hauptstern hat den 16-fachen Sonnendurchmesser, ist etwa so heiß wie die Sonne und leuchtet 150-mal heller. Wie sein kleiner Zwilling gehört er zu den Gelben Riesen.

Platz 8: Rigel

Rigel, der hellste Stern der berühmten Orion-Konstellation, ist der achthellste Stern am Himmel. Sein Name bedeutet „Fuß“ (des Orion). Seine Helligkeit schwankt. Rigel ist ein Roter Riese mit relativ kühlen 3.200 Grad Kelvin Oberflächentemperatur. Er leuchtet in 310 Lichtjahren Entfernung mit enormer Kraft: etwa 13.000-Mal so stark wie die Sonne.

Platz 9: Procyon

Der hellste Stern im Sternbild Kleiner Hund heißt auf Arabisch Elgomaisa. Er liegt sehr nahe, nur gut elf Lichtjahre entfernt und strahlt sieben Mal so stark wie unsere Sonne – was im Vergleich mit Canopus oder Rigel nicht sehr beeindruckend ist, jedoch durch die relative Nähe wettgemacht wird. Auch Procyon ist nicht allein: Ein weißer Zwergstern, der jedoch nur mit sehr guten Fernrohren zu entdecken ist, umkreist ihn alle vierzig Jahre.

Platz 10: Archenar

Erdidanus ist ein Fluß der griechischen Unterwelt, und Archenar („Ende des Flusses“) das hellste Objekt im Sternbild Eridanus. Er ist mit 15.000 Grad Kelvin sehr heiß und leuchtet so hell wie 950 Sonnen. Dies reicht bei 144 Lichtjahren Entfernung gerade noch so für die Top 10 der hellsten Sterne am irdischen Himmel.

Diese Liste ist nicht in Stein gemeißelt: In etwa 230.000 Jahren könnte Wega der hellste fremde Fixstern auf Erden sein, denn beide Sternensysteme bewegen sich aufeinander zu, während sich etwa Sirius aufgrund seiner Eigenbewegung von uns entfernt. Und schon morgen kann alles ganz anders sein, wenn der elfthellste Sterne Beteigeuze oder – noch wahrscheinlicher – Eta Carinae zur Nova oder Supernova werden. Dann würde sich unser Himmel, vielleicht sogar tagsüber, dramatisch verändern.

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